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Über das Projekt

Transformationsmanagement für eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Kommunalbeispiele für eine zukunftsfähige Wasser- und Abwasserversorgungsinfrastruktur (Juli 2007 - Dezember 2009)


Was wird untersucht?

Die kommunale Wasserwirtschaft beruht auf einem über lange Zeiträume gewachsenen zentralen System von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen und ‑netzen. Bislang galt die Regel, dass die Zentralität und Einheitlichkeit der Systeme bei mittleren bis hohen Siedlungsdichten entscheidende technische und ökonomische Vorteile gegenüber de- oder semizentralen Systemen hat. Erst die in den ostdeutschen Bundesländern auftretenden Entwicklungen der (soziodemografischen) Schrumpfung zeigen eine völlig neue Problematik auf: Das Erreichen von Funktionsschwellen durch Unterauslastung. Da diese Erscheinungen in der Grundtendenz auch in den alten Bundesländern auftreten, lohnt es sich, diese Phänomene am Beispiel näher zu betrachten und Transformationsmöglichkeiten der stadttechnischen Systeme zu untersuchen. In mehreren Beispielkommunen soll die Machbarkeit intelligenter Systemlösungen in Form der Kopplung zentraler mit semizentralen Systemalternativen in ausgewählten Methoden partizipativer Szenariotechnik angegangen werden. Einbezogen werden sowohl Städte im Prozess der Schrumpfung, Städte mit teilräumlichen Schwankungsproblematiken sowie solche mit weiter wachsender Bevölkerung und damit stagnierendem bis steigenden Verbrauch.

Besondere Herausforderungen für Politik und Verwaltung in Kommunen

Die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger vieler deutscher Städte stehen vor der Herausforderung, Leitvorstellungen für die Entwicklung ihrer Kommunen unter (tendenzieller) Schrumpfung zu entwickeln. Bereits heute bilden gesamtstädtische Entwicklungskonzepte das Rückgrad für Stadtumbau und -rückbau. Die stadtverträgliche und einwohnerfreundliche Bewältigung des demografischen Wandels setzt geradezu eine Renaissance langfristiger, konsistenter Stadtentwicklungsplanung und -politik voraus. Aktuelle Studien weisen jedoch erhebliche Defizite hinsichtlich des konzeptionellen Gehalts dieser Leitvorstellungen aus. Einerseits ist in mittel- bis langfristiger Perspektive vielerorts eine erhebliche Planungsunsicherheit zu konstatieren, andererseits fehlt es häufig an einer Einbindung der technischen Infrastruktur in Umbaustrategien. Restriktionen in der Förderprogrammatik und den Fördermodalitäten für die Umsetzung von Stadtrückbau und -umbaukonzepten verschärfen die Situation noch, da die notwendige Anpassung der technischen Infrastruktur so kaum erfolgt, um so mehr, als die notwendige Abgrenzung der stadtumbaubedingten Folgekosten ein schwieriges Unterfangen ist. Der Bedarf an Erfahrungsaustausch ist vor diesem Hintergrund groß. Ebenso bedeutsam dürfte es für die kommunalen Akteure jedoch auch sein, Vorstellungen über gangbare Alternativen vorhandener technischer Strukturen zu entwickeln, die damit verbundenen städtebaulichen und finanziellen Voraussetzungen abzuschätzen und das in der Verwaltung erforderliche Know-how zu entwickeln. Stadttechnik, Architektur und Planung bedürfen insofern einer engen Zusammenarbeit.

Besondere Herausforderungen für die Unternehmen der Siedlungswasserwirtschaft

Die abnehmende Auslastung vorhandener Anlagen und Netze stellt auch die Ver- und Entsorgungsunternehmen vor vielschichtige Probleme. In einigen Städten und Regionen sind absehbar Rück- und Umbaumaßnahmen der Netze und Anlagen notwendig, die an die Grenzen des betriebswirtschaftlich machbaren gehen. Doch es gilt auch, über gänzliche neue Techniklinien nachzudenken und insofern bestehende Systemalternativen gegenüber dem Weiterbetrieb vorhandener Anlagen abzuwägen. Die aktuellen Debatten um eine Modernisierung der deutschen Wasserwirtschaft erfahren dadurch eine wichtige Ergänzung.

Intelligente Kombinationen zentraler und semizentraler Systemalternativen

Alles in allem offenbart der demografische Wandel in Verbindung mit sinkender Auslastung der vorhandenen Anlagen die Notwendigkeit, über mögliche Transformationen der bisherigen Systeme nachzudenken. In diesem Zusammenhang könnten kleinere Einheiten und autarke Systeme an Bedeutung gewinnen. Damit sich solche semizentralen Anlagen durchsetzen können, müssen die vorhandenen Systeme sukzessive ergänzt und umgestellt werden. Dies ohne die Funktionalität des Gesamtsystems zu gefährden und den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen gerecht werden. Zugleich gilt es, die Transformation ökologisch und sozial verträglich zu gestalten. Besonders in schrumpfenden Regionen sind innovative Ver- und Entsorgungsstrategien und -konzepte zu entwickeln. Kommunen und ihre Wasserwirtschaftsunternehmen sind dabei gleichermaßen herausgefordert.

Innovationen als Chance für kommunale Ver- und Entsorgungsunternehmen

In Deutschland konnten in den letzten beiden Jahrzehnten beachtliche Innovationen im Bereich alternativer Wasserver- und -entsorgungstechnologien entwickelt werden. Sie wurden bisher allerdings ausschließlich auf der Ebene von wenigen, kleinskaligen Modellprojekten umgesetzt. Aus den punktuellen Erfahrungen dieser Projekte eines Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus heraus alleine können jedoch noch keine verallgemeinernden Schlüsse und Hinweise für eine Einführung in größerem Maßstab und die Kombination mit vorhandenen Anlagen und Netzen gezogen werden.

Pilotvorhaben haben deutlich gemacht, dass stoffliche Differenzierungen und neuartige Kombinationen von Abwasser und Frischwasser prinzipiell möglich sind. Für die deutschen Kommunen kommt es nun darauf an, Referenzprojekte verfügbar zu haben, in denen (vor allem im Bestand) flexiblere Ver- und Entsorgungsstrukturen errichtet werden, die Gesichtspunkte einer Netzkoordination (mittel- bis langfristige Transformation der zentralen Bestandteile) angemessen berücksichtigen und Ausstrahlungskraft auch für andere Städte besitzen. Dies ist aus drei zentralen Erwägungen heraus von besonderer Bedeutung:

Ziele des Vorhabens

Europäische Dimension des Vorhabens

Nicht nur Deutschland, sondern zahlreiche europäische Staaten sind mit den Herausforderungen des demografischen und des infrastrukturtechnischen Wandels konfrontiert, wobei das Ausmaß sowie die zeitliche und räumliche Dimension sehr unterschiedlich ausfallen. In den meisten Ländern werden die mit der demografischen Entwicklung verbundenen langfristigen ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen thematisiert. Die konkreten Empfehlungen zum Umgang fehlen jedoch häufig. Dies gilt auch mit Blick auf die Notwendigkeit einer Anpassung der infrastrukturellen Kapazitäten an sich verändernde Rahmenbedingungen.


Die Forschungsarbeiten im Einzelnen

Die Forschungspartner beteiligen sich – wenngleich in unterschiedlicher Schwerpunktsetzung – gemeinsam an den zentralen Arbeitspaketen.

Vertiefung der Problemanalyse und Vorbereitung aktivierender Schritte

Internationaler Vergleich

Betriebswirtschaftliche und umweltökonomische Bewertung von Systemalternativen eines nachhaltigen Ressourcenschutzes und einer effizienten Ressourcennutzung

Partizipartive Szenarioerstellung

Verallgemeinerung

Validierung

Capacity Building